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"Das Reh in mir"- Über innere Anteile die eigenen Gefühle akzeptieren lernen

Aktualisiert: 1. Dez. 2023


eine Frau als Reh kostümiert

"Ich stehe dann da wie ein scheues Reh und sage nichts". Sagt meine Klientin und beschreibt, wie sie in der Warteschlange an der Kasse überholt wird. Ungefragt und ungewollt.


Was wie ein beiläufiger Nebensatz klingt, wird zum zentralen Thema unseres Coaching Gesprächs. Und hilft der Klientin dabei, eine neue Perspektive zu entwickeln. Eine Perspektive, die ihr ermöglicht, sich selbst besser zu verstehen. Und vor allem: zu akzeptieren.


Das Werkzeug, das wir in diesem Coaching Gespräch verwendet haben, heißt die Arbeit mit "inneren Anteilen" oder "dem inneren Team". In diesem Artikel zeige ich dir, wie du mit diesem Ansatz lernen kannst, deine Gefühle und dein Verhalten zu akzeptieren. Um im nächsten Schritt Veränderung zu ermöglichen.


 

"Ich will kein Reh sein" - Akzeptanz als Basis für Veränderung


Wozu Akzeptanz? Der Kampf gegen die eigenen Gefühle ist ein Kampf gegen dich selbst. Das fordert viel Energie, ist anstrengend und meistens frustrierend. Denn - Überraschung - er gelingt meistens nicht.


Bei meiner Klientin ist es das innere Reh. Das zu verscheuchen, gelingt ihr seit 40 Jahren nicht. Trotzdem versucht sie es immer wieder. Wozu? Um sich künftig besser zu fühlen. Wenn das Reh endlich weg ist.


In unserem Coaching Gespräch hat meine Klientin es geschafft, das innere Reh aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Genutzt haben wir dafür die Arbeit mit den inneren Anteilen.


Akzeptanz schafft Raum für neues, das an die Stelle bisheriger Gefühle und Verhaltsweisen treten kann. Zum Beispiel für Gelassenheit anstelle von Verbissenheit. Aus "Das Reh muss weg" wird "Na gut Reh, ist okay dass du hier bist".


Aus selbstkritischen Gedanken und Verhaltsmustern wird eine zuversichtliche Haltung. Oder Zufriedenheit damit, dass das Reh eine wichtige Rolle einnimmt: "Hallo Reh, du gehörst dazu". Genau da passiert die Veränderung. Und Veränderung ist der Wunsch meiner Klientin. Der Grund, weshalb sie überhaupt mit dem Coaching begonnen hat.


Coaching Veränderung Wunsch

Wenn das Reh heute auftritt, ob in Coaching Gesprächen oder im Alltag, dann ist das in Ordnung für meine Klientin. Das Reh darf da sein. Die Klientin beschreibt diese Entwicklung mit dem Wort "befreiend". Das ist Akzeptanz.


Sie hat gelernt, die eigenen Gefühle zu akzeptieren und somit Veränderung ermöglicht.


Die eigenen Gefühle und inneren Anteile kennenlernen


Wie kam das Reh nun in das Coaching Gespräch? Wie den meisten Coachings lag auch diesem der Wunsch nach Veränderung zu Grunde. Vom ursprünglich formulierten Ziel der Klientin, ihre "berufliche Entwicklung anzustoßen" führte uns der gemeinsame Weg zu Gefühlen und Verhaltensmustern, die die Klientin als negativ empfand.


Die Situation in der Warteschlange an der Kasse war ein Beispiel für den Auslöser dieser Gefühle und Verhaltsmuster. Dagegen anzukämpfen, kostet Energie. Und zwar viel Energie.


Wäre es leicht, an der Kasse einen beherzten Schritt nach vorne zu gehen und zu sagen "Moment mal, ich bin hier als nächtes dran", dann hätte die Klientin es längst getan. Also geht sie nicht nach vorne und sagt auch nichts. Und ärgert sich stattdessen still für sich. Macht sich Vorwürfe. "Man muss halt für sich einstehen, frau erst recht". "Selbst Schuld". "Das konnte ich noch nie".


Puh. Schon beim Lesen fühlt sich das richtig mies an. Selbstzweifel und Vorwürfe machen es also nicht besser. Aber was stattdessen denken und tun? Wie diesen immer wiederkehrenden Ablauf auflösen?


"Ich muss einfach laut sagen, dass das so nicht geht und man das nicht macht". Sagt meine Klientin mit geballter Faust und wirkt dabei alles andere als zufrieden und überzeugt. Weil es unrealistisch ist, dass sie im vollen Supermarkt plötzlich laut wird. Weil ihr das total unangenehm wäre. Weil das überhaupt nicht ihre Art ist.


Denn ein Teil von ihr ist ein Reh. Und Rehe sind sehr aufmerksame Tiere, die bei Gefahr die Flucht antreten. Um sich und die anderen großen und kleinen Rehe in ihrer Herde in Sicherheit zu bringen. Ein Reh käme vermutlich nicht auf die Idee, brüllend auf einen laute Gruppe spazierender Menschen zuzulaufen. Wahrscheinlich würde es sich das auch nicht vornehmen. Und vermutlich würde es sich auch keine Vorwürfe machen, sich nicht durchgesetzt zu haben.


Für meine Klientin wartet genau an dieser Stelle die großartige Gelegenheit, etwas zu verändern. Ihre Energie nicht länger in den Kampf gegen sich selbst zu stecken, sondern Energie freizusetzen. Durch Akzeptanz.


Betrachtung der inneren Anteile


In unserem Coaching Gespräch habe ich das Bild des inneren Rehs aufgenommen und meiner Klientin angeboten, sich das einmal genauer anzuschauen. Mit verschiedenen Fragen hat sie sich dem Reh genähert und es beschrieben:


  • Wie genau sieht das Reh aus?

  • Wo ist es?

  • Wann begegnet es mir?

  • In welcher Situation hat mir das Reh einmal geholfen?

  • Was würde mir das Reh sagen, weshalb es da ist?

  • Was möchte ich dem Reh sagen?


Das ist der Beginn der Arbeit mit inneren Anteilen. Dem als unangenehm empfundenen Gefühl oder Verhalten gibt die Klientin eine Gestalt mit Eigenschaften und einem Namen. Das Reh kann mit Abstand betrachtet und untersucht werden. Es kann seine Größe ändern oder eine andere Position einnehmen. Seine Geschwindigkeit erhöhen oder reduzieren.


Die Klientin wird in die Lage versetzt, Einfluss zu nehmen. Gleichzeitig hat das Reh seinen eigenen Kopf, schließlich taucht es ja immer wieder ungefragt auf. Somit ermöglicht die Beschreibung des inneren Anteils ein Auseinandersetzen, einen Dialog. Das Reh steht dabei für eine Eigenschaft der Klientin, die zu ihrer Persönlichkeit dazu gehört. Und zwar schon sehr lange.


innere Anteile Dialog

Die genannten Fragen sind ein Ausgangspunkt für die Arbeit mit inneren Anteilen. Umlernen erfordert viel mehr Energie, als neu lernen. Deshalb ist die Entwicklung von Akzeptanz ein Prozess. Und der braucht Zeit, um zu wachsen.


Akzeptanz der inneren Anteile


Jahrelange Versuche, das Reh loszuwerden werden ersetzt durch einen neuen Blickwinkel auf die Gefühlswelt, das eigene Verhalten. Das ist die erste Veränderung. Durch Akzeptanz. Sie ermöglicht, realistische Ziele zu formulieren. Zum Beispiel, in der nächsten Situation an der Kasse einfach nur zu denken "Aha, da ist das Reh". Seine Anwesenheit lediglich wahrzunehmen.


Im Coaching Gespräch stellt sich heraus, dass das Reh auch nützliche Eigenschaften für meine Klientin mit sich bringt.


  • In ihrer Familie ermöglicht ihr die Sensibilität des Rehs, sich auf ihr Gegenüber einzulassen und genau zu spüren, was dieser Mensch braucht

  • In ihrem Beruf ermöglicht ihr die Aufmerksamkeit des Rehs, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu handeln

  • Die Umsichtigkeit des Rehs führt dazu, dass Menschen ihr vertrauen und sich in ihrer Abteilung gerne an ihr orientieren

Anzuerkennen, dass das als negativ empfundene Gefühl (das Reh) auch einen wichtigen Beitrag zum eigenen Leben leistet, kann aufwühlend sein. Dass es einen wichtigen Teil der eigenen Biographie und Persönlichkeit ausmacht, ist häufig eine neue Information. Und die muss man oder frau (und alle dazwischen und außerhalb) erstmal verdauen.

Alte Denkmuster und Glaubenssätze ("Das Reh muss weg") konnten sich 40 Jahre lang verfestigen. Mit "ciao Kakao" und dem Abhaken einiger Fragen ist es hier nicht getan. Meine Aufgabe als Coach ist es dabei, für eine realistische Erwartungshaltung an sich selbst zu sorgen. Und das solltest auch du tun, wenn du dich mittels innerer Anteile deinen Gefühlen und Verhaltensweisen näherst: Lasse dir Zeit.


Und so ist es auch dem Reh aus der Coaching Sitzung ergangen. Statt immer wieder verjagt zu werden, durfte es da sein. Das zu akzeptieren gelingt meiner Klientin häufig nicht, sagt sie. Aber sogar das ist inzwischen okay für sie. Ganz häufig gelingt es ihr nämlich, wahrzunehmen, dass das Reh sich wieder meldet. Und inzwischen kann sie es in solchen Situationen begüßen wie eine alte Bekannte: "Hallo Reh, da bist du ja wieder."


Wann das mal keine Veränderung ist. Chapeau.


Der erste Schritt hin zur Veränderung


Die Arbeit mit inneren Anteilen ermöglicht es dir, Gefühlen eine Gestalt und einen Namen zu geben. Der erste Schritt: Deinen inneren Anteil benennen und beschreiben. Kennenlernen. Einen Dialog beginnen. Durch diese distanzierte Betrachtung kannst du lernen, anzunehmen, dass dieser innere Anteil eine Rolle, eine Aufgabe, eine Funktion für dich hat. Damit legst du die Basis für Akzeptanz und Veränderung.


Das wichtigste: Geduld und Akzeptanz für dich auf deinem Weg. KlientInnen arbeiten oft über mehrere Coaching Gespräche mit meiner Unterstützung an diesen Themen. Denn das braucht Zeit und ist mitunter emotional aufreibend und auch anstregend.


Du möchtest deine eigenen inneren Anteile kennenlernen? Du wünschst dir Veränderung, fühlst dich aber blockiert? Dann kontaktiere mich gerne. Das Kennenlerngespräch ist immer unverbindlich und kostenfrei. Und Coaching Gespräche sind sowohl online, als auch persönlich hier in Aachen möglich. Jetzt kostenfreien Kennenlerngespräch vereinbaren.


Dir alles Gute, schönes heute,

Denise


P.S. Vertrauen ist in Coachings das A und O. Als professionelle Coach unterliege ich der Verschwiegenheit. Das in diesem Artikel geschilderte Coaching hat zwar stattgefunden, aber ganz anders. Bezeichnung von KlientIn und Schilderung von Gesprächsinhalten sind zur Wahrung der Vertraulichkeit abgewandelt.


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